Von Günter Ackermann/20. März 2008

Bundeskanzlerin Merkel weilte mit der halben Regierung in Israel. Dort verkündete sie: Selbst wenn die überwiegende Mehrzahl der Europäer gegen die Kriegspolitik der Israelischen Regierung ist, steht die Berliner Regierung treu zu aggressiven Zionistenstaat, der seine Nachbarn nicht nur bedroht, sondern auch gegen sie Kriege führt. Frau Merkel begründete es – unter Missbrauch der Verbrechen der Nazis gegen die Juden – eben mit diesen Verbrechen.

Und mit der angeblichen Drohung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, Israel von der Landkarte zu löschen.

Dass das eine bewusste Falschübersetzung einer Rede des iranischen Präsidenten ist, müsste Frau Merkel eigentlich schon längst die Schlapphüte des BND gesagt haben. Wenn sie diese Fälschung von angeblichen Atomwaffen und der angeblichen Vernichtung Israels durch den Iran trotzdem als Grund der vorbehaltlosen Unterstützung der Bundesregierung für die israelische Kriegspolitik anführt, so macht sie ihre Regierung zu Komplizen an Kriegen und Kriegsverbrechen im Nahen Osten.

Das ist nicht neu, das ist Politik der bundesdeutschen Regierungen schon seit Adenauer. Die diversen Kriege Israels fanden immer die Unterstützung der Bundesregierungen, auch durch Geld und Waffen – auch die Begründungen waren immer gleich: Die Verantwortung Deutschlands für die Juden.

Die gibt es allerdings. Aber nicht alle Juden sind Israelis und auch nicht alle Israelis sind Juden. Wir verzeichnen in den letzten Jahren, dass immer mehr Juden sich gegen die Politik Israels stellen. Erst 2007 kritisierte die Tochter des verstorbenen Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski (1912 – 1992), auf das Heftigste die Kriegpolitik Israels.

Aber unter dem Vorwand, die Deutschen seien für die Shoa, den millionenfachen Mord an den europäischen Juden, verantwortlich, unterstützten bisher die Bundesregierung die zionistischen Kriege und auch die Kriegsverbrechen der Armee der Zionisten.

Tatsache ist, die Verbrecher in Auschwitz und in den anderen Vernichtungslagern waren meist Deutsche. Aber das besagt noch lange nicht, dass das deutsche Volk schuldig für die Verbrechen ist. Es waren die deutschen Faschisten, die in Auschwitz mordeten und die wurden an die Macht gebracht von den Konzernherren der Schwerindustrie, der chemischen Industrie und von den Elektrokonzernen Siemens und AEG, ferner von den Großbanken, wie der Deutschen Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und anderen und von den Großagrariern.

In deren Interesse und in deren Auftrag begannen die deutschen Faschisten den 2. Weltkrieg – und verloren ihn. Die Bank- und Konzernherren nahmen den Judenmord billigend in kauf und verdienten auch nicht schlecht dabei. Nicht nur, dass IG-Farben das Giftgas zur Ermordung von Millionen Juden lieferte, der Konzern beutete auch tausende jüdischer Häftlinge z.B. im Buna-Werk Auschwitz-Monowitz als billige Arbeitskräfte aus. Das solange, bis sie verbraucht waren, dann wurden sie durch „frische“ Arbeitskräfte ersetzt, die verbrauchten mussten ins Gas.

An den Wertsachen, am übrigen Eigentum der Kuden verdienten sich banken dumm und dämlich. Die arisierten Immobilien, Kaufhäuser, Fabriken, Privatbanken usw. rissen sich deren „arische“ Konkurrenten unter den Nagel. Und die Banken waren immer dabei.

Diese Herrschaften haben nach der Gründung der BRD ganz rasch wieder den Ton im Westen Deutschlands angegeben. IG-Farben wurde zwar „entflochten“, aber jeder der Teilkonzerne – Bayer, Hoechst und BASF – war schnell größer, als es IG-Farben je war.

Auch die Krupps, Thyssen, die Siemens usw. waren ganz schnell wieder oben, mal abgesehen von den Banken. Die Hauptverantwortlichen am deutschen Faschismus und dessen Verbrechen, gingen nach 1945 straflos aus. Nur in der sowjetischen Zone (später DDR) verloren sie ihre Fabriken, wurden Großagrarier und die Banken enteignet und entmachtet.

Dass Frau Merkel nun behauptet, der iranische Präsident Ahmadinedschad strebe nach Atomwaffen, ist eine platte Lüge. Selbst der USA-Geheimdienst, so wurde vor kurzem bekannt, hält das für unwahrscheinlich. Was die Iraner haben – und darauf wollen die Imperialisten sich den Zugriff sichern – ist Erdöl. Wenn früher unter dem Schahregime, trotz des enormen Reichtum des Landes, die Mehrheit der Menschen hungerten, das Regime in Saus und Braus schwelgte, das Volk blutig unterdrückt wurde, so war das den Imperialisten schnuppe. Der Schah garantierte, dass die US-Erdölkonzerne billiges Erdöl und billige Arbeiter hatten. Diese Herrlichkeit hatte nach dem Sturz des Schahs ein Ende.

Ich will hier nicht für eine Herrschaft von Klerikern eine Lanze brechen. Die Herrschaft der Mullahs im Iran ist eine Herrschaft der Gestrigen und ist abzulehnen. Aber sie tanzen nicht nach der Pfeife der Imperialisten. Deshalb – und nur deshalb – ziehen sie sich den Hass der herrschenden Wirtschaftskreise des Westens zu und deshalb schwafelt Frau Merkel das Märchen von der Iranischen Atombombe und vom angeblichen Ziel Ahmadinedschads, die Vernichtung Israels.

Wenn es ihnen um ein antiquiertes fundamental-religiöses Regime, mit brutalen Unterdrückungen, mit Erniedrigen der Frauen usw.. gehen würde, dann hätten die USA genug zu tun, das in dem mit ihnen aufs engste verbündeten Saudi-Arabien zu ändern.

Frau Merkel hielt ihre Kriegsrede in einem Land, das selbst Atomwaffen besitzt und auch schon erklärt hat, diese gegen den Iran einzusetzen. Frau Merkel hat der israelischen Regierung faktisch einen Freibrief für weitere Kriege – diesmal womöglich mit Atomwaffen – ausgestellt. Und das im vollen Wissen, dass die überwältigende Mehrheit der Europäer diese Politik ablehnt.

Was schert die Herrschenden der Volkswille, was schert sie Demokratie, wenn es um Profite und wirtschaftliche Macht geht, dann wird das schnell zu den Akten gelegt?

G.A.

  1. Alexander Tetzlaf
    Mrz 23, 2008

    Dolmetscher sorgten schon für viele Kriege.

    „Die Vernichtungsphantasien, die Iran unterstellt werden, gehen auf einen einzigen Satz zurück: „Israel must be wiped off the map.“ Kein Satz wird so häufig mit dem amtierenden Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, assoziiert wie dieser: Israel muss von der Landkarte radiert werden. Das Problem ist nur – er hat diesen Satz nie gesagt…. Ahmadinedschad sagte jedoch wörtlich: „in rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“ Das bedeutet: „Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden.“ Oder, weniger blumig ausgedrückt: „Das Besatzerregime muss Geschichte werden.“ Das ist keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg, sondern die Aufforderung, die Besatzung Jerusalems zu beenden.“

    Quelle ebenfalls G.A.

    Es ist unfassbar, wie die Menschen im Schmarotzersystem Kapitalismus manipuliert werden. Und das alles nur im Namen der Profite der Milliardäre…

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  2. yemenity
    Mrz 25, 2008

    Die allzu haefige Verwendung des Begriffes „Zionistenstaat“ laesst mich zurueckschrecken. Was soll diese Verwendung? Und wen meint Herr Ackermann damit? Mit dem Begriff Israel werden auch die Buerger dieses Staates gemeint. Wenn man Zionistenstaat sagt, klingt es wie eine grobe Beleidigung. Eine Beleidigung und Unterstellung an alle Buerger dieses Staates. Und fragt sich ebenso – Unterstellung von was? Zionismus ist kein Verbrechen, Zionismus ist eine Ideologie, die es lange vor dem Staat Israel gab. Zionisten sind Menschen, die an diese Ideologie glauben. Zionist sein heisst, den Wunsch zu hegen und ihn praktisch zu foerdern, dass alle Juden in das Land (das Land ihrer Herkunft) und heutzutage in den Staat Israel zurueckkehren. Die Tatsache, dass in der arabischen und antiisraelischen Welt dieser Begriff als Sinnbild des araberunterdrueckenden, mordenden, korrupten und nach Weltherrschaft strebenden Juden missbraucht wurde, ist noch lange kein Freibrief fuer Journalisten wie Ackermann, denselben Missbrauch eines Wortes zu begehen und damit die Meinungen anderer zu beeinflussen – faelschlich.

    Und die hier als solche praesentierte Tatsache, dass die Nahostkriege allesamt von Israel begangen oder zumindest begonnen wurden, ist ebenso als solche zu verwerfen. Schon mit dem Unabhaengigkeitskrieg faengt es an: dort haben die Nachbarstaaten den kaum 1 Tag alten Staat angegriffen. Die Suez-Krise, die Herausforderung Nassers vor dem 6-Tage-Krieg und die Sperrung der Strasse von Tiran; der Yom-Kippur-Krieg 1973, den die Israelis schon aus dem einfachen Grund nicht beginnen konnten, weil dieser Tag in Israel Staatsfeiertag und Fasttag dazu ist – sie alle zeugen von Israels wahrer Situation im Nahost. Und, so leid es mir tut, gleichermassen von Guenter Ackermanns Ignoranz.

    mfg,yemenity

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  3. yemenity
    Mrz 25, 2008

    Egal, wie blumig man Achmadinejads Kommentar uebersetzt – alles ist doch eine Sache der Interpretation. Von Jerusalem hat Achmadine nicht gesprochen, Ackermann hat es aber als solches ausgelegt.
    Da patriotische Palaestinenser und Organisationen wie Hama s und Hisballah den ganzen Staat Israel als „Besatzerregime“ interpretieren, kann Achmadine auch darauf zurueckgegriffen und dementsprechend Israel gemeint haben. Was folgerichtig heisst: Das Besazerregime muss Geschichte werden. Israel muss Geschichte werden.

    Israel muss verschwinden.

    Ob nun radiert oder nicht radiert.

    Das ist allerdings auch nur eine Interpretation…!

    mfg

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